Lange Minuten für die Überlebenden
Die Notfallübung des Flughafens Zürich fand für einmal ausserhalb des Geländes statt. Die Einsatzkräfte waren dennoch schnell vor Ort. Nur die Erste Hilfe für die überlebenden Passagiere dauerte etwas lange.

Auf einem Feld bei Oberglatt bot sich den Rettungskräften von Sanität und Feuerwehr ein Bild des Schreckens. Die Verletzungen der Figuranten sahen dank der Moulagen verblüffend echt aus.
Kurz vor 14.30 Uhr war auf der Unfallstelle noch Gelächter zu hören. Rund 130 Figuranten von Kantonspolizei und Zivilschutzdienst bestaunten ihre Moulagen, die Gesichter schwarz von Russ, die Arme rot von Schrammen und die Kleidung zerfetzt und blutverschmiert. Um 14.32 Uhr gingen sie in Position, als Überlebende eines Fluges, der kurz vor der Piste 14 in einem Feld endete.
Herumirrende und Verletzte
Um 14.32 Uhr liess der Übungsleiter Container und Holzscheite in Brand stecken und gab dem Tower das Zeichen, den Alarm auszulösen. Die Meldung ging weiter an 300 Rettungskräfte: Aufgeboten wurden die Feuerwehren von Flughafen, SR Technics, den Stützpunkten Bülach, Kloten, Opfikon und Walli-sellen sowie die Kantonspolizei, Rettungssanität und Dienste des Flughafens. In der rückwärtigen Kommandozentrale standen weitere 240 Beteiligte im Einsatz. Sie organisierten Care-Teams, betreuten Angehörige, nahmen Anrufe entgegen oder gaben den Medien Auskunft.
Während über dem Unfallplatz eine Maschine der Air Berlin durch die Rauschschwaden flog und auf der Piste 14 aufsetzte, waren von ferne die ersten Sirenen zu hören. Drei Minuten braucht die Berufsfeuerwehr am Flughafen, um den hintersten Winkel auf dem Gelände zu erreichen. Bis sie das Tor beim Besucherparkplatz passiert hatte und auf den Feldweg einbog, verging eine weitere Minute. Noch vor der Unfallstelle kamen der Feuerwehr Figuranten entgegen. Sie spielten herumirrende Überlebende. Einer lag verletzt auf dem Feldweg und blockierte die Durchfahrt.
Der Flugzeugrumpf – in diesem Falle Container und Holzscheite – waren schnell gelöscht. Derweil warteten die Verwundeten schreiend oder bewusstlos auf Erste Hilfe: Die einen eingeklemmt im Wrack, andere mit Verbrennungen auf der Wiese liegend oder als Opfer eines Autounfalls. Ein solcher hatte sich als zusätzliche Schwierigkeit am Rande des Unglücksortes ereignet.
«Bekanntes Phänomen»
Vertreter von Flughafenpartnern, Rettungsorganisationen, umliegenden Gemeinden und Medien durften die Szene aus der Ferne beobachten. Sie wunderten sich vor allem darüber, dass viele Minuten verstrichen, bis die Verwundeten betreut und geborgen wurden. «Das ist ein Phänomen, das wir schon von anderen Notfallübungen kennen», erklärte Peter Wullschleger, Co-Übungsleiter und Kommandant von Schutz und Rettung Zürich. «Die Feuerwehr stürzt sich auf das Feuer, während rundherum die Verletzten liegen.» Das Problem sei, dass die Rettungssanitäter meistens später als die Feuerwehren eintreffen – und vergleichsweise in der Unterzahl sind. «Von den rund 400 Sanitätern im Kanton kommen meistens nicht mehr als 100 an einen Schadenplatz.» In einem ersten Fazit zeigte sich Wullschleger aber zufrieden mit dem Einsatz. Angesprochen auf die Problematik, gab Rolf Karlen von der Koordinationsstelle Feuerwehr Schweiz zu bedenken, dass am Unfallort zuerst eine Organisationsstruktur geschaffen werden müsse. Nur so sei es möglich, eine Vielzahl von Verletzten zu retten.
Wie gut die Übung verlaufen ist, wird in den nächsten Tagen und Wochen ausgewertet. Die Resultate gelangen sowohl an die schweizerische wie auch an die internationale Zivilluftfahrtorganisation.
Text: Heinz Zürcher, Zürcher Unterländer
Bild: Sibillye Meier, Zürcher Unterländer